Es ist ein Satz, den wir in den letzten Monaten immer wieder hören.
„Da kann man eh nichts machen.“
Oder:
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„Alle verwenden Microsoft.“
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„Google und Apple sind unangreifbar.“
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„Europa wird das nie schaffen.“
Diese Aussagen klingen vernünftig. Tatsächlich sind sie aber vor allem eines: eine Kapitulation, bevor der Wettkampf überhaupt begonnen hat.
Stellen wir uns etwas anderes vor.
Stell Dir vor, Österreich würde beschließen, das gesamte Wassernetz an ein oder zwei ausländisches Unternehmen zu verkaufen. Zehn Jahre später funktioniert alles hervorragend. Das Wasser ist sauber, der Service ist ausgezeichnet und niemand denkt mehr darüber nach.
Bis eines Tages der Preis um 20 Prozent steigt.
Oder politische Spannungen entstehen und der Eigentümer muss das Wasser dorthin liefern, wo es dringender benötigt wird.
Plötzlich merken wir: Wir haben gar keine Alternative mehr.
Niemand würde eine solche Abhängigkeit bei Wasser, Strom oder dem Straßennetz akzeptieren.
Warum akzeptieren wir sie dann bei unserer digitalen Infrastruktur?
Es geht nicht um Microsoft.
Ich habe selbst viele Jahre bei Microsoft gearbeitet.
Microsoft, Google, Apple, Visa oder Mastercard sind nicht das Problem.
Unternehmen tun das, wofür sie gegründet wurden: Sie entwickeln gute Produkte und wollen wirtschaftlich erfolgreich sein.
Das eigentliche Problem entsteht erst dann, wenn ein Markt so konzentriert ist, dass echte Alternativen kaum noch existieren.
Dann verliert der Kunde seine Wahlfreiheit.
Und genau dann funktioniert ein Markt nicht mehr so, wie eine soziale Marktwirtschaft eigentlich funktionieren sollte. Microsoft ist heute das, was IBM in den 1980er Jahren war. Damals gab es aber mit Siemens zumindest noch europäische Alternativen. Heute sind fast alle Cloud Anbieter von einer Person Abhängig. Dem US Präsidenten – der per Executive Orders immer wieder – sagen wir „interessante“ Entscheidungen trifft.
Geschichte wiederholt sich.
Vor dreißig Jahren galt IBM als uneinholbar – bis Microsoft kam.
Altavista war die Suchmaschine der Wahl.
Netscape dominierte den Browsermarkt.
Lotus 1-2-3 war die führende Tabellenkalkulation.
Nokia war der unangefochtene Marktführer bei Mobiltelefonen.
Heute wirken diese Namen längst nicht mehr unantastbar.
Märkte verändern sich ständig.
Nicht von alleine.
Sondern weil Menschen neue Ideen entwickeln, neue Produkte bauen und andere bereit sind, sie zu nutzen.
„Da kann man nichts machen.“
Doch.
China hat nach den Sanktionen gegen Huawei begonnen, eigene digitale Infrastruktur aufzubauen – vom Betriebssystem über Cloud-Dienste bis hin zu Zahlungslösungen.
Heute spielen Google-Dienste dort nur noch eine untergeordnete Rolle. Android selbst basiert auf dem Open-Source-Projekt AOSP. Europa könnte darauf aufbauen und ein eigenes, von Google unabhängiges Ökosystem entwickeln.
Man muss das politische System Chinas nicht gut finden.
Aber eines zeigt dieses Beispiel eindeutig: Digitale Abhängigkeiten sind keine Naturgesetze.
Europa muss den chinesischen Weg nicht kopieren.
Europa sollte seinen eigenen Weg gehen.
Mit offenen Standards.
Mit Interoperabilität.
Mit fairem Wettbewerb.
Nicht mit einem europäischen Monopol anstelle eines amerikanischen.
Sondern mit einem Markt, in dem viele Unternehmen erfolgreich sein können.
Das ist keine Technikfrage.
Es ist eine Frage unserer Haltung.
Sagen wir:
„Da kann man nichts machen.“
Oder sagen wir:
„Wir beginnen.“
Jede große Veränderung beginnt mit einer kleinen Gruppe von Menschen, die nicht akzeptiert, dass etwas „eben so ist“.
Das Internet entstand nicht durch Resignation.
Linux entstand nicht durch Resignation.
Wikipedia entstand nicht durch Resignation.
Auch europäische Erfolgsprojekte wie GSM oder SEPA entstanden, weil Menschen bereit waren, gemeinsam an einer Idee zu arbeiten.
Genau deshalb gibt es 4future.digital.
Wir glauben nicht, dass wir Microsoft morgen ersetzen.
Wir glauben auch nicht, dass Europa sich von der Welt abschotten sollte.
Wir glauben an Wahlfreiheit.
Wir glauben daran, dass Europa eigene Alternativen entwickeln sollte – nicht aus Misstrauen gegenüber anderen, sondern damit wir auch morgen noch selbst entscheiden können.
Denn wenn wir mehrere funktionierende Lösungen haben, bestimmen wir unsere Zukunft selbst.
Wenn wir keine Alternativen haben, bestimmen andere über unsere Zukunft.
Warum Community?
Immer wieder werden wir gefragt, warum wir von einer Community sprechen.
Die Antwort ist einfach.
Community bedeutet nicht:
Einer macht – und alle anderen schauen zu.
Community bedeutet:
Wir gestalten gemeinsam.
Digitale Infrastruktur entsteht nicht dadurch, dass jemand auf einen Investor wartet.
Sie entsteht auch nicht dadurch, dass wenige arbeiten und viele zusehen.
Sie entsteht, weil Menschen bereit sind, etwas aufzubauen, zu testen, weiterzuentwickeln und zu unterstützen.
Jedes Mitglied.
Jeder Beitrag.
Jede Idee.
Jede Empfehlung.
Jede Nutzung unserer Dienste.
All das trägt dazu bei, dass Alternativen entstehen.
Wir glauben nicht daran, dass Europa auf den nächsten Technologiekonzzern warten sollte.
Wir glauben daran, dass Innovation dort entsteht, wo Menschen gemeinsam etwas aufbauen.
Deshalb entwickeln wir mit 4future.digital Schritt für Schritt eine europäische Alternative – offen, interoperabel und gemeinsam mit unserer Community.
Mit 4future.email, 4future.id und weiteren Diensten wollen wir zeigen, dass hochwertige digitale Plattformen nicht nur von globalen Konzernen entwickelt werden können.
Vielleicht werden wir nie der größte Anbieter sein.
Das ist auch nicht unser Ziel.
Unser Ziel ist, dass Europa wieder echte Wahlmöglichkeiten hat.
Denn nur wo es Alternativen gibt, gibt es Wettbewerb.
Und nur Wettbewerb schafft dauerhaft Innovation.
Die eigentliche Frage
Die Frage lautet nicht:
„Kann Europa digitale Alternativen schaffen?“
Die Geschichte zeigt, dass neue Märkte und neue Marktführer immer wieder entstehen.
Die eigentliche Frage lautet:
Sind wir bereit, selbst ein Teil dieser Veränderung zu sein?
Denn wenn alle sagen:
„Da kann man eh nichts machen.“
…dann wird genau das eintreten.
Nicht weil Veränderung unmöglich wäre.
Sondern weil niemand den Mut hatte, den ersten Schritt zu gehen.
Wir bei 4future.digital haben beschlossen, diesen ersten Schritt zu gehen.
Gehst Du ihn mit uns?
- Über den Autor
- Artikel
Werner Illsinger ist systemischer Coach, Unternehmensberater sowie Lektor an der FH-Kärnten. Sein Herzensanliegen ist es, dass Arbeit Spaß macht.

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